Innenstadt beleben: Ideen, deren Wirkung Sie nachzählen können
Märkte, Pop-ups, Sitzbänke: Ideen zur Innenstadtbelebung gibt es viele, Zahlen zur Wirkung selten. Wie Marburg und Peine Besucher mit Rätseltouren zählbar in die Stadt holen.
In diesem Beitrag
- Wo deutsche Innenstädte stehen
- Warum die meisten Ideen unbelegt bleiben
- Was eine Rätseltour anders macht
- Marburg: Stationen in den Schaufenstern der Oberstadt
- Peine: Stadtgeschichte statt Werbefläche
- Klein anfangen: ein Cache, ein Café
- Was eine Stadt vorher klären sollte
- Häufige Fragen
- Ihr nächster Schritt
- Quellen
Eine Innenstadt belebt, was Menschen einen Grund gibt, länger zu bleiben und an Orte zu gehen, die sie sonst auslassen. Ideen dafür gibt es viele, von Wochenmärkten bis zu Zwischennutzungen im Leerstand. Was fast immer fehlt, ist eine Zahl, wie viele Menschen eine Maßnahme tatsächlich in die Stadt gebracht hat. Rätseltouren auf der Geocaching-Plattform liefern diese Zahl gleich mit: In Marburg haben in zehn Monaten 567 Spielerkonten die Tour durch die Schaufenster der Oberstadt gespielt.
Wo deutsche Innenstädte stehen
Die Lage ist bekannt, ein paar Zahlen machen sie greifbar.
Der Handelsverband HDE rechnet für 2026 mit netto rund 4.900 Geschäften weniger in Deutschland. Vor zehn Jahren gab es knapp 367.000, Ende 2026 sollen es rund 297.000 sein. Der Highstreet Report 2026 hat erstmals den Leerstand in 100 Städten erhoben: im Schnitt 9,1 Prozent, von null in Lippstadt bis 29 Prozent in Solingen.
Was Besucher von ihrer Innenstadt halten, misst das IFH Köln mit der Studie „Vitale Innenstädte“. 2024 wurden rund 69.000 Menschen in 107 Städten befragt. Die Gesamtnote liegt seit 2020 unverändert bei 2,5. Auffällig ist ein Wert: Bei den Freizeitangeboten bekommen 40 Prozent der Städte eine 3,0 oder schlechter. Einkaufen und Gastronomie schneiden besser ab. Wer in die Stadt kommt, findet Läden und Cafés, aber selten etwas, das man dort unternehmen kann.
Genau diese Lücke füllen viele Ideen zur Innenstadtbelebung, und hier fängt das Problem an.
Warum die meisten Ideen unbelegt bleiben
Suchen Sie nach Ideen zur Innenstadtbelebung, finden Sie Listen: Wochenmarkt, Pop-up-Store, Kulturnacht, Stadtgrün, Sitzmöbel, Beteiligungsformate. Alles sinnvoll. Kaum eine Liste sagt, was die Maßnahme gebracht hat.
Das liegt nicht an schlechtem Willen. Die meisten Maßnahmen lassen sich schwer messen. Passantenzähler in der Fußgängerzone zählen alle, die vorbeigehen, auch die, die ohnehin gekommen wären. Befragungen sind teuer und fragen nach Absichten. Wer im Stadtrat begründen muss, warum eine Aktion im nächsten Jahr wieder Geld bekommen soll, hat oft nur einen Eindruck in der Hand.
Eine Ausnahme ist eine Evaluation aus Karlsruhe: Nach Schirmen, Stühlen und Grün auf dem Marktplatz fühlten sich die Besucher wohler, sie blieben länger und wollten eher wiederkommen. So eine Auswertung ist selten. Für die nächste Maßnahme lohnt es sich, die Messung gleich mit einzuplanen.
Was eine Rätseltour anders macht
Eine Rätseltour auf der Geocaching-Plattform führt Menschen zu Stationen in der Stadt. An jeder Station gibt es ein Rätsel, dessen Lösung zur nächsten führt. Gespielt wird mit dem eigenen Smartphone und einer kostenlosen App. Für die Stadt hat das vier Folgen.
Sie läuft dauerhaft. Eine Tour braucht keinen Veranstaltungstag, kein Personal und keine Ladenfläche. Sie ist an jedem Tag des Jahres bespielbar.
Sie lenkt. Die Stationen bestimmen den Weg. Liegen sie vor den Schaufenstern einer Nebenstraße, stehen die Spieler vor diesen Schaufenstern.
Sie bringt ihr Publikum mit. Die Tour erscheint in der App einer Community, die schon spielt. Deutschland lag 2025 bei den Funden weltweit auf Platz eins, vor den USA. Diese Spieler suchen gezielt nach neuen Touren, auch auf Reisen.
Sie zählt sich selbst. Wer eine Station löst oder einen Cache findet, trägt das ein. Bei Geocaches stehen die Funde öffentlich, bei Adventure Labs zeigt das Konto des Erstellers die Zahl der Spieler.
Marburg: Stationen in den Schaufenstern der Oberstadt
Die Universitätsstadt Marburg wollte mehr Menschen vor die Geschäfte der Oberstadt bringen, statt nur durch ihre Gassen. Wir haben dafür zwei Touren gebaut, „Oberstadt Spiele“ und „Kaffeepause“, mit zusammen 17 Rätseln. Die Stationen liegen in den Schaufenstern des Einzelhandels. An einigen ruft man eine Nummer an und setzt damit versteckte Technik in Gang, die das nächste Codewort verrät. Das Finale ist ein Escape Room in einem historischen Gewölbekeller.
Umgesetzt wurde das mit dem Quartiersmanagement Oberstadt, dem Stadtmarketing und der Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH. Im Steckbrief bei der Initiative stadtimpulse hat die Stadt die Zahlen bis Februar 2026 festgehalten: 360 Spielerkonten bei „Oberstadt Spiele“, 207 bei „Kaffeepause“. Die Stadt schätzt, dass rund 850 Personen mitgespielt haben. Der Deutsche Städtetag hat das Projekt vorgestellt, die Fachjury von stadtimpulse hat es als Best Practice zertifiziert.
„Die Kombination aus digitaler Schatzsuche und stationärem Handel ist ein echter Gewinn für Marburg. Die Route führt die Besucher*innen direkt in unsere Geschäfte und schafft neue Impulse für den Einzelhandel.“ Nadine Kümmel, Quartiersmanagerin im Oberstadtbüro der Universitätsstadt Marburg
Zum Start kam eine Kampagne in sozialen Medien dazu, unter anderem mit dem Geocaching Vlogger, mit dem wir zusammenarbeiten und der für solche Drehs bezahlt wird. Die Posts vom Oktober 2025 hatten laut Steckbrief 112.000 Aufrufe.
Peine: Stadtgeschichte statt Werbefläche
Peine Marketing wollte Menschen an Orte führen, an denen sie sonst vorbeigehen: zur Mühle, in den Burgpark, zur Brauerei. Der Peine Code hat sieben Stationen, jede erzählt ein Stück Stadtgeschichte. Eine Bierstele an der Härke-Brauerei, ein Wolfspuzzle aus Stahl, ein Lichterrätsel an Töpfers Mühle. Das Rätsel steckt im Ort selbst, nicht in einem Behälter.
Vom Auftrag im März 2025 bis zur fertigen Tour im Juni vergingen gut drei Monate. Im ersten Jahr haben mehr als 300 Menschen mitgespielt und 1.200 Stationen abgeschlossen, so Peine Marketing im August 2026. Finanziert wurde die Tour laut Peine Marketing zu 90 Prozent aus dem Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Welche Programme es heute gibt, steht im Beitrag Fördermittel 2027.
„Mit Angeboten wie der neuen Adventure-Tour schaffen wir Anlässe, die historische Mitte unserer Stadt immer wieder neu zu entdecken.“ Klaus Saemann, Bürgermeister der Stadt Peine
Klein anfangen: ein Cache, ein Café
Eine Tour durch die ganze Innenstadt ist nicht der einzige Weg. Für das Café Machwitz in Hannover haben wir einen einzigen Geocache mit Thermosensor gebaut, der auf die Wärme eines Bechers reagiert. Seitdem kommen etwa zwei neue Gäste am Tag, die vorher nie im Café waren. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung hat darüber berichtet.
Für Citymanager heißt das: Eine Tour der Stadt und einzelne Caches von Geschäften schließen sich nicht aus. Läden können an eine städtische Tour andocken, wie in Marburg, oder mit einem eigenen Cache anfangen.
Was eine Stadt vorher klären sollte
| Frage | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Wohin sollen die Menschen? | Erst die Orte, dann die Rätsel. Nebenstraßen, Leerstände, Plätze, die niemand kennt. |
| Wer macht mit? | Händler mit Schaufenster-Station, Gastronomie, Tourist-Info für eine Sammelmünze am Ende. |
| Welche Zahl gilt als Erfolg? | Funde je Station, Spielerkonten, abgeschlossene Touren. Vorher festlegen. |
| Wer pflegt? | Stationen mit Technik brauchen Wartung. Das gehört in den Vertrag, nicht in die Hoffnung. |
| Wie wird die Tour bekannt? | In der Community verbreitet sie sich selbst. Für Einheimische braucht es Presse und Aktionen vor Ort. |
Häufige Fragen
Wie kann man eine Innenstadt beleben, ohne neue Ladenflächen zu füllen?
Mit Anlässen, die Menschen durch die Stadt führen und dort halten. Eine Rätseltour braucht keine Fläche und kein Personal, die Stationen liegen in Schaufenstern, an Denkmälern oder auf Plätzen. In Marburg führt sie direkt vor die Geschäfte der Oberstadt.
Wie misst man, ob eine Maßnahme zur Innenstadtbelebung wirkt?
Bei den meisten Maßnahmen nur über Zähler oder Befragungen. Bei einer Rätseltour auf der Geocaching-Plattform tragen die Spieler ihre Teilnahme selbst ein. Daraus entsteht eine Zahl je Station, bei Geocaches sogar öffentlich nachzählbar. Marburg hat so 567 Spielerkonten in zehn Monaten belegt.
Wie lange dauert es, bis eine Tour läuft?
Beim Peine Code vergingen vom Auftrag bis zur fertigen Tour gut drei Monate. Touren mit eigener Technik an den Stationen brauchen länger als Touren, bei denen das Rätsel im Ort steckt.
Brauchen die Spieler eine eigene App?
Sie brauchen eine kostenlose App: für Adventure Labs die Adventure-Lab-App, für Geocaches die Geocaching-App. Viele Geocacher haben beide schon. Für alle anderen ist der Download der einzige Schritt vor dem Start.
Ihr nächster Schritt
Schreiben Sie uns, welche Straßen oder Plätze in Ihrer Innenstadt mehr Besucher brauchen. Wir sagen Ihnen, ob dort eine Tour trägt und wie sie aussehen könnte. Zur Anfrage. Wie wir abrechnen, steht unter Pay per Visit, weitere Beispiele aus Städten auf der Seite Kommune und Stadtmarketing.
Quellen
- IFH Köln, „Vitale Innenstädte 2024“, berichtet von retail-news.de: retail-news.de
- HDE, Prognose zur Zahl der Geschäfte 2026, berichtet von retail-news.de: retail-news.de
- Columbia Threadneedle und bulwiengesa, Highstreet Report 2026, berichtet von konii.de: konii.de
- Stadt Karlsruhe, Vorlage 2025/0241 mit Evaluation am Marktplatz: web1.karlsruhe.de
- Geocaching HQ, Jahresrückblick 2025: geocaching.com
- stadtimpulse, Projektsteckbrief Marburg: unsere-stadtimpulse.de
- Universitätsstadt Marburg, Pressemitteilung vom 4. April 2025: marburg.de
- Deutscher Städtetag, „Digitale Schatzsuche in der Marburger Innenstadt“: staedtetag.de
- Peine Marketing, Pressemitteilung vom 10. Juli 2025: peine-erleben.de